Vier Monate gibt es diesen Garten in der Oststeiermark erst. Als Sarah Jasmin und ihr Mann Oliver hier ankamen, bestand die Fläche im Grunde genommen aus einem Schotterhaufen. Der Boden war mühsam, die Ausgangslage wenig spektakulär.
Jetzt wachsen hier unter anderem Tomaten, Wildkräuter und Rosen, die sich ihren Platz selbst gesucht haben. Hühner und Enten gehören selbstverständlich zum Gartenbild und wuseln scharrend und schnatternd überall herum. Und ganz nebenbei wurde hier auch bereits Hochzeit gefeiert. Für Sarah Jasmin ist ihr Garten ein Beweis dafür, wie viel möglich wird, wenn man der Natur Raum gibt.

„Ich bin ein Bauernmädchen“
Sarah Jasmin ist 33, vierfache Mama und auf einem Bauernhof aufgewachsen. Selber pflanzen und ernten begleitet sie deshalb schon lange und egal ob Wohnung mit Balkon oder Haus mit Garten, Sarah Jasmin hat immer versucht, aus dem vorhandenen Raum etwas entstehen zu lassen und viel selber zu machen.
„Die Tomaten für meine selbst gemachte Tomatensauce anbauen und meine Nudeln selber machen hab ich früher als Alleinerziehende schon gemacht,“ erzählt Sarah Jasmin. Damals hatte sie nur ein bisschen Salat und Tomaten am Balkon. Selbstversorgung im Kleinen sozusagen. Trotzdem etwas, auf das sie nicht verzichten wollte, denn Sarah Jasmin ist überzeugt: „Selbst gemacht sättigt ganz anders als fertig gekaufte Nudeln mit Sauce.“
Sarah Jasmin möchte ihren Kindern näherbringen, was ein natürlicher Kreislauf bedeutet, und erforschen, was Natürlichkeit in unserem heutigen Leben noch sein kann. Vieles davon, glaubt sie, ist uns in den letzten Jahren verloren gegangen.

Vier Monate Garten
„Ein schöner Garten ist etwas, das passieren darf,“ meint Sarah Jasmin. Impulse setzen – wie einen kleinen Samen – und dann schauen, was die Natur daraus macht: nach diesem Prinzip gestaltet sie ihren Garten.
Begonnen hat sie damit im Mai 2026. Ein Teil der Arbeit wurde dabei von fleißigen Gartenhelfern erledigt, wie Sarah Jasmin berichtet: „Wir hatten hier sehr mühseligen Boden, stark verdichtet und fest. Ich hab an verschiedenen Stellen Kompost ausgestreut und die Hühner durften dort scharren. Dabei haben sie den Boden super gelockert!“

Als Belohnung dafür durften sich die Hühner an den Tomaten bedienen, die sehr zur Freude und Überraschung aller Gartenbewohner reichlich wuchsen und Früchte trugen. „Das war ein schöner Beweis für mich, dass dieses Konzept von Natürlichkeit einfach Raum bekommen darf und noch viel, viel mehr Raum bekommen sollte,“ findet Sarah Jasmin.
Nicht das Maximum herausholen
Sarah Jasmin geht es nicht darum, aus einem Stück Land möglichst viel herauszuholen. Auch bei Tieren und Pflanzen nicht. Ihr Lieblingswort dafür: Sein. Insekten dürfen genauso sein wie „Unkraut“. Und auch der Mensch darf bei ihr sein. Vielleicht gibt ihr der Garten deshalb so viel: Weil sie ihn einfach Garten sein lässt.
Drei Dinge, auf die Sarah Jasmin im Garten keinesfalls verzichten will, sind ihre Hühner und Enten. „Und jedes Graserl!“ lacht sie. Nicht alles muss sofort von der Gärtnerin bewertet, sortiert oder entfernt werden.
Sarah Jasmins Vision geht aber noch viel weiter. Sie träumt von einem Hof, auf dem Menschen verschiedener Generationen miteinander leben, arbeiten und sich einbringen können mit ihren Fähigkeiten.

Der Schritt zur Garten(R)evolution
„Ich hatte bei der Garten(R)evolution sofort das Gefühl, dass mein Sein und mein Tun gesehen worden sind und ich gespürt hab, mit dem, worüber ich spreche, werde ich ernstgenommen,“ erklärt Sarah Jasmin auf die Frage, warum sie sich der Garten(R)evolution angeschlossen hat. „Da war einfach ein Gefühl von Verbundenheit, und das vom ersten Moment an. Und ich hab mit total gefreut, dass wir ein Netzwerk von Menschen sind, die eine ähnliche Vision haben und diesen Weg gemeinsam gehen können und uns gegenseitig unterstützen können, weil jeder seine Qualitäten einbringen kann.“

Derzeit ist Sarah Jasmin mit ihrer Familie auf der Suche nach einem „Für-immer-Zuhause“. Das derzeitige Zuhause ist gemietet, ein Raum auf Zeit. Für sie kein Grund, den Garten nicht liebevoll zu gestalten: „Wenn ich aus diesem Garten hier weggehe, dann hab ich was hinterlassen, da wächst was und davon profitieren die nächsten, die hier wohnen.“
Der Garten ist Sarah Jasmins Ruheort, ohne Garten, meint sie, wäre sie verloren. Ihr Wunschtraum? Viel mehr kleine Gärten, Balkone und auch größere Grundstücke, die wieder als Lebensraum gesehen und gelebt werden: „Viele orientieren sich an einem Perfektionismus, der nicht zum Wohl von uns allen ist. Ich wünsche mir, dass wir ein bisschen von unserem Kopf und Ego wieder runtergehen und mehr auf das Ganze schauen, was uns da gegeben worden ist.“


